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The poets turmoil No. 0815

Auf und ab im Lande werden neue Koalitionen geschmiedet. Und mir geht das selbstverblüffenderweise am Arsch vorbei. Am Abend der Bundestagswahl habe ich (anders als sonst) nur mit Mühe mein Interesse an der Wahlberichterstattung, an Interviews, Analysen und Wählerwanderungsdiagrammen aufrecht halten können, nachdem die erste Hochrechnung durch war. Realpolitisch war ja nichts mehr zu gewinnen. Eigentlich war nur noch zu klären:

  • bekommt die SPD die verdiente Watsche (und zwar sowohl für die großkoalitionäre Selbstverleugnung und dem schwarz-roten Verrat am rot-grünen Projekt als auch für die Erkenntnis, dass das einzige Projekt jener Jahre möglicherweise ein Ego-Projekt namens 'Schröder' gewesen sein könnte),
  • platzt die FDP vor Ego (mittleweile passiert),
  • sind NPDVUsw ausreichend weit am rechten Rand verschollen (fürs erste schon) und
  • schaffen es die Piraten vielleicht doch, trotz des ihnen eigenen Sinnes für anarchistische Ins-eigene-Knie-schiess-Aktionen, über den Ereignishorizont des Restebalkens hinaus zu kommen (gerade so eben).

Seit dem klar ist, was Sache ist, interessiert es mich kaum noch – und das erschreckt mich selbst, aber nicht genug, um mich zu beunruhigen. Klingt paradox, ist aber so. Es ist doch egal, wer Außenminister wird. Lärming Englisch with Guido? Pofalla for Arbeitsamt? Brüderle in die Wirtschaft? Guttenberg über alles oder für nichts? Resurrecting Genschman? Exhuming Adenauer? Endlich wieder flache Kalauer mit Graf Lambsdorff vs. GEM-Funktionen? Bleibt Schäublone oder Zensursula, wenn ja, als was? Jetzt schon staunen über die Pseudo-Erfolge in Sachen Bürgerrechte? Nein, ich glaub nicht dran. Mal wird man sich fremdschämen, nächstes Mal noch etwas mehr – und schon mal Fingerübungen machen für die Faust in der Tasche, die man braucht, wenns dann mal richtig weh tut. Aber bis dahin? Eine gute Jahreszeit für Winterschlaf jetzt, oder?

Am Wahltag, als noch quasi alles offen war, war mir unglaublich nach einem Song, den ich zwar kannte, aber nicht hatte und deshalb extra den mp3-Download der Amazonen bemühte, noch vor der Stimmabgabe, so zum in Stimmung kommen. »Shout to the Top« von den unverwüstlichen Style Council, eine Band, die ich in den letzten Wochen mal wieder aus den Tiefen der Sammlung geholt habe. Fühlte sich gut an, aber wie Frau Clark damals schon wusste, sind die Auswirkungen solcher Übungen auf das real life bescheiden. Wenn man zu schwarz-gelben Kohlzeiten politisiert worden ist und den Thatcherism hat über den Kanal winken sehen, passt das alles nur zu gut zusammen – und was kürzlich noch ein Gefühl im Bereich der Politnostalgie war, kommt auf einmal wieder ganz nahe.

Musikalisch hat der aktuelle Retrotrend die 1980er längst erreicht. Jetzt zieht die poltische Bühne nach. Aber wartet noch mit den Protestsongs, auch wenn Wolf Maahn und Klaus Lage schon vor den Toren der Pampa stehen. Mir ist zur Zeit nach was anderem.

»...the public gets what the public wants
but I want nothing this society's got -
I'm going underground...«

»what you see is what you get
you've made your bed, you better lie in it
you choose your leaders and place your trust
as their lies put you down and their promises rust
you'll see kidney machines replaced by rockets and guns«

Nachschlag?Schwarzrot Keine Distanz Ich kann den Müll selbst runterbringen and when the snow has finally melted... Skype macht agressiv... vielleicht vielversprechende Versuche, vertonte Verwandschaften zu visualisieren Speak of a drowning... (Soundtrack 1989)

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